Vietnam Reisen - - - 22 Tage Reise
Guten Morgen VietnamGuten Morgen Vietnam
Eine ereignisreiche Reise in ein Land voller Lebendigkeit
Wo fahren Sie hin, nach Vietnam? Diese erstaunte Reaktion bekomme ich auch heute noch zum Teil zu hören. Wenn jemand nach Thailand oder nach Australien reist, dann ist das normal. Aber nach Vietnam, das kommt offenbar weniger häufig vor oder ist mit Vorbehalten verbunden. Obwohl es nur etwas mehr als eine Flugstunde von Bangkok entfernt liegt. Wahrscheinlich enthält diese Reaktion auch die Vorstellung, dass es dort nicht viel zu sehen und zu erleben gibt. Doch das ist ein großer Irrtum.
Altes Indochina hautnah erleben
Vietnam ist zurzeit eines der interessantesten Reiseländer in Südostasien überhaupt, wenn man den Charme des alten Indochina noch kennen lernen möchte. Es ist zwar immer noch ein Land der sog. Dritten Welt, aber ein sehr aufstrebendes Land. Der Rückstand zu anderen Staaten soll nach dem Willen der Regierenden möglichst schnell aufgeholt werden. Sieht man die neuen Hochhäuser in Saigon oder die Straßenbauarbeiten vielerorts, dann erhält man den Eindruck, dass dies gelingen könnte.
Seit sich das Land nach seiner leidvollen und schwierigen Geschichte in den neunziger Jahre wieder nach außen geöffnet hat, kommen nicht nur Touristen sondern auch Geschäftsleute hierher. Sie kommen aus Taiwan, Hongkong oder Singapur und wollen ihre Millionen an Dollars gut anlegen. Auch deutsche Firmen haben sich längst angesiedelt. So wird z.B. gegenwärtig vor den Toren Saigons ein großes Bosch Werk errichtet.
In den Straßen von Saigon
Unsere Reise beginnt in Saigon, oder in Ho-Chi-Minh-City, wie diese Stadt heute offiziell heißt. Schon auf der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum der Stadt wird klar, dass dies immer noch ein ganz anderes Land ist. Ganz anders, als wir Westlichen es sonst kennen. Die Straßen werden überwiegend von Zweirädern bevölkert, Obststände oder Garküchen sind oft zu sehen. An einer alten Mauer hat ein „fliegender“ Friseur seine Stühle aufgestellt und zwei Spiegel aufgehängt.
Dann der erste Bummel zu Fuß durch diese Stadt. Alleine das Überqueren mancher Straßen wird zu einem fesselnden Erlebnis. Der Verkehr läuft scheinbar chaotisch und ohne jede Regel ab. Ein Pulk von Mopeds und teilweise auch Autos rollen auf einen zu. Wenn man jetzt den Fuß auf die Straße setzt, glaubt man sich unweigerlich verloren. Aber, weit gefehlt. Man muss nur zwei Dinge beachten. Man geht seelenruhig los - nicht im rechten Winkel zur Straße sondern etwas schräg - und man darf weder stehen bleiben noch rennen. So gleitet man unberührt durch den Verkehrsstrom hindurch und wird umspült von diesem Strom wie eine einsame kleine Flussinsel. Sobald man aber anfängt zu rennen oder gar zu stoppen, werden die anderen Verkehrsteilnehmer irritiert. Die Positionen lassen sich dann nicht mehr vorausberechnen und es kann zu kritischen Situationen kommen.
Auch am späten Abend sitzen noch viele kleine Obstverkäufer in der Nähe des Ben-Than-Marktes an den Straßenrändern, vor sich die herrlichsten tropischen Früchte ausgebreitet. Gleich nebenan ein Park, wo sich zahlreiche Liebespaare allabendlich gerne treffen und plaudernd auf ihren Mopeds sitzen.
Im Delta der neun Drachen
Unsere nächste große Station ist das Mekong-Delta, wohin wir mit einem Kleinbus aufbrechen. Wir fahren durch viele Ortschaften hindurch, kommen an Reisfeldern und unzähligen Obstbäumen vorbei. Mit einer Fähre überqueren wir einen Hauptstrom des Mekong. Ich fühle mich an den Roman "Der Liebhaber" von Marguerite Duras erinnert. Eine innige Liebesgeschichte, die auf einer dieser Fähren ihren Ausgang nahm. Aber auch an Josef Boys muss ich denken, der den Begriff der „Sozialen Plastik“ prägte. Beim Anblick der Hütten und Pfahlbauten, der Holzboote und der sozialen Lebensstrukturen, wird dieser Begriff hier sehr anschaulich. Wir fahren mit einem kleinen Boot die schmalen Flussarme und Kanäle entlang. Wir besuchen beeindruckende Märkte oder spazieren durch die tropische Landschaft.
Eintauchen in eine andere Welt
Besonders die schwimmenden Märkte haben es mir angetan. Sie wirken wie ein lebendiges Museum. Man taucht ein in eine andere Welt voller Leben und Ursprünglichkeit. Diese Lebendigkeit ist es, der man hier immer wieder begegnet. Das Leben spielt sich auf oder an der Straße ab. Die Leute gehen emsig - und oft mit einfachen Mitteln - ihren kleinen Geschäften nach. Obsthändler, Schuster, Losverkäufer usw. Oder sie sitzen auf niedrigen Stühlen oder Hockern zusammen, essen gemeinsam und palavern gerne.
Das Wiedersehen mit einer einheimischen Familie, die ich bei einer früheren Reise durch das Delta kennen gelernt hatte, verläuft besonders herzlich. Wir werden mit köstlichen Trinkkokosnüssen aus dem eigenen Garten begrüßt. Großvater Bay - Ende siebzig - klettert auf einen Jackfruchtbaum und erntet für uns eine riesige Jackfrucht. Sein ältester Sohn, Herr Thong, zieht uns freudig weiter in den Garten. Sein Gesicht lacht, doch ein Auge fehlt. Er hat es als junger Mann im Krieg beim Schießen gegen die Amerikaner verloren.
Im Hochland von Dalat
Unsere nächste große Station ist Dalat, etwa 300 Kilometer nördlich von Saigon gelegen. Wegen der Höhenlage herrschen hier trotz tropischer Lage ständig frühlingshafte Temperaturen. Während der Kolonialzeit zogen sich die Franzosen gerne an diesen Ort zurück. Noch in den fünfziger Jahren wurde die Gegend um Dalat als sehr geeignet für die Großwildjagd gepriesen. Heute verbringen die Vietnamesen gerne ihre Flitterwochen in Dalat. In der Umgegend gibt es viele Wälder und Seen sowie einige Wasserfälle. Dass die Vietnamesen Kitsch lieben, sieht man hier auch an manchem Wasserfall, wo bunte Luftballons oder Krimskrams die Wege verzieren. In den Bergen der Umgegend leben einige ethnische Minderheiten, für die selbst vietnamesisch eine Fremdsprache ist.
Von grunzenden Hängebauchschweinen geweckt
Besonderer Höhepunkt wird der Besuch und die Übernachtung in dem Minderheitendorf der M’Nong, im zentralen Hochland, noch einmal eine halbe Tagesfahrt von Dalat entfernt. Am Abend gibt es traditionelle Gongmusik, Gesänge und Tänze der Einheimischen. Am nächsten Morgen werden wir von grunzenden Hängebauschweinen geweckt. Das Dorfleben erwacht. Die Tiere werden gefüttert, Reis wird gestampft. Eine alte Frau mit Tabakspfeife, Kopftuch und Korb auf dem Rücken geht still vorüber. Unser Bad nehmen wir an diesem Tag in einem klaren Fluss, der sich wenige Kilometer jenseits des Dorfes durch einige Felsen schlängelt.
Am Südchinesischen Meer
Unsere nächste Station liegt in Nha Trang. Diese Stadt am südchinesischen Meer wird auch als das Nizza von Vietnam bezeichnet. Palmen, Sand und Sonne laden zum Entspannen ein. Mehrere große Hotels sind im Bau. Nha Trang verfügt über den schönsten städtischen Strand von Vietnam. Eine Bootsfahrt bringt uns zur reizvollen vorgelagerten Inselwelt, die berühmt ist für Schönheit und kristallklares Wasser. Mit der Rikscha fahren wir am Abend gemächlich durch die jetzt ruhigen Straßen.
Im Wüstenzauber von Mui Ne
Entlang der Küste geht es wieder in Richtung Süden. Wir machen noch einen Abstecher nach Mui Ne. Zu diesem Fischerdorf gab es bis vor wenigen Jahren noch keine befestigte Straße. Kaum war diese fertig gestellt, schossen hier die Hotelanlagen wie Pilze aus dem Boden. Das Gebiet grenzt an eine wüstenhafte Region, in der sich Oasen mit tropischer Vegetation und bizarre Landschaften aus Sandstein und Dünen befinden. Ein Zauber aus Farben und Formen, der wie eine Mischung aus Sahara und Karibik wirkt. Ein paar Tage sind noch Zeit zum Entspannen.
Wieder in Saigon geht es vor dem Abflug noch einmal auf einen Markt. "Good Morning Vietnam" steht auf einigen T-Shirts. Ein Spruch, der an einen Vietnam-Film erinnert, aber der auch für die Aufbruchstimmung in diesem Land steht.
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