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Thailand Rundreise

Thailand

Thailand Reisen - - - 22 Tage Reise

Geschichte über Thailand

Reisenotizen aus Südostasien

Auszug aus dem Buch "Späte Umarmung", von Bernd Bieder.
Beschrieben wird seine erste Reise nach Vietnam und später nach Thailand.


14. Februar 1995

Nun bin ich schon über drei Wochen in Thailand. Ich hatte in Vietnam den Charme des alten Indochina und noch eine sehr ursprüngliche südostasiatische Lebensart kennen gelernt. Doch ich weiß, vieles von dem, was ich dort sah und erlebte, wird es schon in wenigen Jahren nicht mehr geben. Eine rasante Entwicklung hat auch dort begonnen. Vietnam ist zwar immer noch ein sehr armes, aber ein sehr aufstrebendes Land. Der Rückstand zu anderen Ländern soll nach dem Willen der Regierenden möglichst schnell aufgeholt werden. Und wenn man sich die ersten Baustellen für Geschäfts- und Hotelhochhäuser in Saigon anschaut, wenn man die emsigen Vietnamesen sieht und auch die Straßenbauarbeiten vielerorts, dann bekommt man zweifellos den Eindruck, dass dies gelingen dürfte.

Seit sich das Land Anfang der neunziger Jahre wieder nach außen öffnete, kamen nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsleute nach Vietnam. Es sind Geschäftsleute aus Taiwan, aus Hongkong oder auch aus Singapur, die ihre Millionen Dollars gut anlegen wollen. Und die vietnamesische Regierung träumt den Traum von Geld und Kapital. Einen Traum, den schon so viele vor ihr geträumt haben und immer noch träumen, aber der in Wirklichkeit eine wahre Erfüllung für die meisten Menschen nicht brachte. Der bestehende Schätze sogar zerstörte. So gibt es auch heute noch eine Fülle tatsächlicher Schätze in diesem Land, für die allerdings die Bürokraten und Bankiers, wie auch anderenorts in der Welt, keinen Blick haben. Was ist das nur für ein merkwürdiger Maßstab, den Reichtum eines Landes am Bruttosozialprodukt oder am Durchschnittseinkommen zu messen?

Als ich von Vietnam kommend in Thailand eintraf, hatte das Straßenbild mit vielen modernen Autos schon wieder starke Ähnlichkeit mit westlichen Verhältnissen. Die Häuser, auch in den ländlichen Regionen, sind hier überwiegend aus Stein. Selbst auf der beschaulichen und reizvollen Insel Ko Samui, die ich wegen ihrer gelassenen Atmosphäre schnell schätzen lernte, sind an den Straßen und Wegen erkennbar weniger Mango- oder Jackfruchtbäume zu sehen als im Mekong-Delta. Dies allerdings nur im direkten Vergleich. Auch hier gibt es immer noch eine Fülle wunderbarer tropischer Früchte. Auffallend ist aber auch, dass ich lange suchen musste, um einen Verkaufsstand mit Trinkkokosnüssen zu finden.

Während in Vietnam in fast jedem Straßenrestaurant eine Staude mit Trinkkokosnüssen lag und allenfalls in den größeren Orten, wo öfter Touristen vorbei kommen, vereinzelt Cola verkauft wurde, hat hier die Cola-Herrschaft schon flächendeckend Einzug gehalten. Dabei ist diese Insel mit Kokospalmen gesegnet wie kaum eine andere. Ebenso ist auffallend, dass ich hier hin und wieder schon einem dicken Menschen begegnete, was ich dagegen in Vietnam unter den Einheimischen überhaupt nicht erlebt hatte.

Auch unter den vergleichbaren Früchten sind hier Unterschiede festzustellen. So sind die Guaven hier deutlich größer und etwas weniger aromatisch als die aus Vietnam, was bereits schon wieder auf erste Züchtungen deutet. Auch ein paar andere Sorten erreichen nicht ganz die hohe Qualität und die aromatische Süße, die ich aus Vietnam kannte. Dies sind aber nur sehr geringe Unterschiede, die manchem Nichtkenner gar nicht auffallen würden und die im Einzelfall auch in regional bedingten Verschiedenheiten begründet sein können. Insgesamt gesehen ist auch hier immer noch eine Fülle paradiesischer Früchte zu finden, von denen die meisten eindeutig zur Spitzenklasse gehören und ganz besonders die etwa fünf verschiedenen Sorten Durian.
So schwelge ich täglich in den herrlichsten paradiesischen Früchten. Und dort, wo andere Touristen vielleicht vorbeilaufen, finde ich zielsicher die größten natürlichen Köstlichkeiten und teilweise sogar direkt im Dschungel.

Ich war zunächst von Bangkok aus Richtung Süden quer durch dieses Land gereist, hatte auch einen Abstecher von drei Tagen nach Malaysia gemacht - oder besser gesagt, machen müssen, um mir dort ein neues längeres Visum für Thailand zu besorgen - und habe mich jetzt auf Ko Samui niedergelassen, wo ich mir auf einem ruhigen und beschaulichen Platz am Meer einen Bungalow gemietet habe, also weit entfernt von den touristisch belebteren Orten, von denen es auf dieser Insel auch ein paar gibt. Nur einige Schritte weiter liegt eine kleine idyllische und versteckte Bucht, die nur sehr wenige Fremde kennen. Das Meer sieht hier tatsächlich so türkisfarben wie auf den Postkarten aus. Die Palmen wiegen ihre tiefgrünen Wedel. Und die warme und feuchte tropische Luft empfinde ich wie Balsam auf meiner Haut. In die andere Richtung erstreckt sich ein paar Kilometer lang ein Naturstrand, an dem man gut spazieren gehen kann. Also bestens geeignet, um mich hier einige Wochen lang intensiver dem Schreiben zuzuwenden und gleichzeitig die Natur genießen zu können.


3. März 1995

Neulich, an einem späten Nachmittag, habe ich wieder einmal eine kleine Wanderung unternommen. Ich ging auf einem verwachsenen Weg einen kleinen Berg hinauf. Oben angekommen, hatte ich einen phantastischen Ausblick. Links war das blaue, türkisfarbene Meer zu sehen, die Küstenlinie mit einigen Buchten, der gelbweiße Sandstreifen und in der Ferne eine andere größere Insel im schwachen Graublau. Rechts erstreckte sich eine sanft geschwungene, sattgrüne und ausgedehnte Talsenke, ausgefüllt mit üppiger tropischer Vegetation. Weiter hinten stieg sie wieder an bis zu den Gipfeln einiger Berge. Ich setzte mich nieder. Einige schillernd bunte Vögel flatterten zwitschernd in der inzwischen frühen Abendstimmung. Und vor mir, in nur zwei Metern Entfernung, kam ein Tier, das eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Eichhörnchen hatte, mir entgegen gekrabbelt. Es sah mich an, stellte sich auf die Hinterpfoten und fing irgendetwas in seiner Sprache aufgeregt zu erzählen an. Dann hüpfte es ein wenig hin und her, kam noch einmal zurück zu mir, erzählte abermals etwas und verschwand wieder in den Büschen. Leider zog sich unten in einiger Entfernung auch eine Straße entlang, die zwar vom Grün umschlungen wurde, aber die dennoch nicht ganz unhörbar sein sollte. Doch den wunderbaren Eindruck, der hier in der Luft lag, konnte ich trotzdem deutlich wahrnehmen. Ich konnte sofort wieder einmal jene besondere Energie spüren. Es erschien mir beinahe, als ob jemand meine "inneren Batterien" auffüllte.

Ich sah also dieses großartige Bild mit seinen wunderbaren Farben. Mit seinem satten Grün und seinem tiefen Blau, mit weißen Wolken und mit dem Ocker des trockenen Grases. Mit rötlichen Tönen der Erde und mit schwarzgrauen Steinen hier und da. Mit vielen milden und auch mit stärker farbigen Nuancen. Sie alle fügten sich harmonisch in das ganze Panorama ein. Ich hörte die Stimmen der Natur und der lebendigen Stille klingen. Auch sah ich die ruhigen Bewegungen des Lebens überall: das Schaukeln der Blätter oder der Halme. Die wenigen Wolken zogen kaum merklich ganz langsam dahin. Das Licht glitzerte auf dem Wasser. Am Horizont trafen Himmel und Ozean zusammen. Die im wärmeren Gelb scheinenden Strahlen der Abendsonne legten sich auf die Wipfel der Palmen und streiften auch neben mir die dünnen trockenen Grashalme. Dann hörte ich, wie sich noch sehr zart, aber immer deutlicher eine zauberhafte Musik ausbreitete. Wie sie aus den vielen unterschiedlichen Tönen des Lebens sanft hervorzuquellen begann, und wie dieser Hauch die ganze Atmosphäre um mich herum stärker anreicherte. Da waren das Säuseln des schwachen Windes in den Blättern und das feine Zirpen von einigen Insekten. Da war das Tirilieren der schillernden Vögel ganz in meiner Nähe.

Ja, es war eine Sinfonie, die sich dort in dem Schoße der Natur liebevoll ausbreitete und die ich hörte. Es war die Sinfonie des Lebens und der Natur. Mir wurde wieder einmal klar, was für ein Paradies wir eigentlich geschenkt bekommen haben. Ich trank diese Energie in vollen Zügen. Doch plötzlich war alles vorbei. Plötzlich wurde unten im Tal irgendwo eine Motorsäge gestartet. Mit ihrem entsetzlichen Heulen und Kreischen fraß sie sich in diese Atmosphäre hinein. Die ganze wunderbare Stimmung brach schlagartig zusammen.


17. März 1995

In zwei Tagen werde ich wieder nach Deutschland zurückkehren. Zwei Erlebnisse sind mir aus diesen drei Monaten Südostasien besonders haften geblieben. Das erste ereignete sich im Mekong-Delta. Ich lief mit meinem vietnamesischen Begleiter - von einem Wasserfall kommend - durch den Dschungel, als ich plötzlich einen wunderbaren feinen Duft in der Luft wahrnahm. Einen Duft, der mich ein wenig an honigsüße Zitrusbonbons erinnerte. Ich ging diesem Duft nach und fand 30 Meter weiter einen Baum mit Jackfrüchten. Man muss sich einmal vorstellen, wie genau diese Wahrnehmungen unter ursprünglichen Gegebenheiten funktionieren. Da riecht man solche Früchte schon aus einiger Entfernung. Man braucht nur dem Wohlgeruch zu folgen und findet für sich die besten Köstlichkeiten.

Das zweite Erlebnis hatte sich in Thailand auf Ko Samui zugetragen. Ich lag am Rande meiner kleinen stillen Bucht in der Sonne. Und ich beobachtete dort ein paar Mal, wie einheimische Frauen kamen und von den aus dem Wasser ragenden Felsbrocken die Muscheln abklopften. Diese Muschelklopferinnen bewegten sich stets mit einer Ruhe, der alle Feierlichkeit eines sonnigen Sonntagnachmittages innezuwohnen schien. Dennoch war es für sie Alltag. Besonders wenn sie gemächlich am Strand entlang gingen und ihre Hüften gleichsam sanfter Meereswogen schaukelten und dabei der warme leichte Wind und auch ihre eigenen Bewegungen in ihrem dünnen Sarong spielten, war das Geschehen erfüllt von jener wundervollen Ruhe. Ich atmete dieses Bild mit stiller Freude. Dies ist eigentlich genau die richtige Geschwindigkeit des Lebens, dachte ich bei mir, und nicht unentwegt hetzen und rennen. Einige Zeit später stellte ich beglückt an mir selbst fest, dass ich dieses gemächliche Laufen - diesen Schlendergang, wie ich ihn fortan nannte - selber angenommen hatte.
Wie lange wohl wird mir das in unserer hektischen westlichen Welt so gelingen, überlegte ich. Und wie reich sind dagegen jene Menschen, die sich zwar kein Flugticket zu uns, aber einen solchen Schlendergang und ein solches Leben leisten können?

Die Geschichte "Reisenotizen aus Südostasien" ist enthalten in dem Buch "Späte Umarmung", von Bernd Bieder. Das Buch ist erhältlich in unserem Bücher-Shop. Kopien vom Text, auch auszugsweise, sind nicht erlaubt. Verlinkungen sind gestattet.

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