Bali Reisen + Lombok - - - 22 Tage Reise
Reisebericht Bali - Wo das Paradies vielleicht erfunden wurdeWo das Paradies vielleicht erfunden wurde
Bali - was für ein Zauberwort, schon vor Jahrzehnten und heute immer noch. Geradezu magisch wurden und werden Menschen von dieser Insel angezogen. Bereits in den dreißiger Jahren kamen die ersten Touristen, und Covarrubias schrieb vor über sechzig Jahren: "Heute hat nahezu jeder von Bali gehört. Für einige ist die Insel gerade in - eines der vielen Reiseziele der Welt - andere verbinden mit dem Namen dunkelhäutige, gut gebaute Mädchen, Kokospalmen, wogende Wellen und allerlei romantische Vorstellungen, die ein Inselparadies kennzeichnen."
Mit der fernen Insel Bali verbindet insgeheim vielleicht jeder von uns Sehnsüchte nach einem anderen Leben. Anders als zu Hause, wo die Sonne nur selten sommerlich scheint, wo Arbeitsstress und Zivilisationskrankheiten grassieren, wo unzählige Verpflichtungen unser Leben bestimmen und wo der Alltag jedes Abenteuer und jede Romantik vermissen lässt. Obwohl sich im Süden von Bali inzwischen längst einige Zentren herausgebildet haben, die vom Massentourismus bevölkert werden und obwohl Materialismus und Umweltverschmutzung eine weltweite Krankheit sind - das Bali unserer Träume existiert auch heute noch. Freilich nicht in den Enklaven und Hotelhochburgen des Pauschaltourismus. Doch abseits jener Zentren gibt es auch heute noch zahlreiche abgelegene und einsame Gegenden, mit kunstvollen Reisterrassen, mit atemberaubenden Landschaften und tropischen Urwäldern, mit bunt gekleideten Menschen, mit stillen Tempeln und reizvollen Dörfern in die nur wenige Touristen kommen und in denen man traditionelles balinesisches Leben kennen lernen kann.
Ubud und Umgebung
Nach der Ankunft auf dem Flughafen von Denpasar geht unsere Fahrt nach Ubud, einem im Inneren von Bali gelegenen Ort. Wenn man die Gegend um Ubud kennen lernt, versteht man, dass sich hier seit den dreißiger Jahren mehrere Künstler aus aller Welt niedergelassen haben. Obendrein scheint fast jeder Balinese in dieser Region ein Künstler zu sein. Denn Maler, Tänzer, Holzschnitzer oder Gamelanmusiker findet man in jedem Dorf und jeder Familie.
Zu Fuß und auch mit dem Fahrrad erkunden wir die nähere Umgebung von Ubud. Wir wandern durch Reisefelder und durchstreifen Flusstäler mit üppiger tropischer Vegetation. Und wir sehen tausende Reiher in den Bäumen eines Dorfes sitzen.
An einem Abend besuchen wir eine Tanzvorführung. Es ist der so genannte Kecak-Tanz. Eine Gruppe von etwa 100 Männern und zwei Tänzerinnen bieten ein magisches und ekstatisches Ritual dar. Dieses Ritual soll das Böse beschwören, Not abwenden und die Dorfbewohner dem Schutze der guten Geister anvertrauen. Die Tänzer geraten in einen Trancezustand, währenddessen sie den Kontakt mit dem Göttlichen herstellen.
Graziös und anmutig ist dagegen der Legong-Tanz. Es ist ein Tanz göttlicher Nymphen, um die sich eine Legende rankt, der Kampf zweier königlicher Brüder um ein verirrtes Mädchen.
Mit dem Minibus brechen wir zu einem entfernten Ziel auf. Ein Tagesausflug zu den spektakulärsten Reisterrassen-Landschaften Balis. Der Bus setzt uns an einer kleinen Landstraße ab. Wir wandern die Windungen dieser Straße hinab und plötzlich öffnet sich vor uns eine atemberaubende Kulisse. Reisterrassen gliedern sich im unteren Drittel dieses Bildes im satten Grün kunstvoll ineinander. Im mittleren Bereich, etwas weiter oben, ist üppiger Bergurwald auszumachen und noch weiter oberhalb erheben sich die Gipfel majestätischer Berge. Für wen das Wort "atemberaubend" bisher nur Schall und Rauch war, der lernt und spürt seine Bedeutung vielleicht an dieser Stelle.
Der Alltag
Der Alltag der Balinesen, dies ist schon in den ersten Tagen zu spüren, ist mit einer stets lebendigen Religion verknüpft. Ihr Kalender kennt in einem Jahr nicht weniger als 200 Feste. Unaufdringlich zelebrieren sie ihre Religion, eine Mischung aus Hinduismus und Buddhismus, verbunden mit alten Naturreligionen. Sie bringen kleine Opfer dar, zünden Räucherstäbchen oder Kerzen an, vertreiben die bösen Kräfte und rufen die guten Schutzgeister an. Und sie schmücken dies mit motivreich gestalteten Elementen. Es kommt vor, dass plötzlich auf dem Fußweg eines Ortes vor einer Haustür eine Frau ein stilles Ritual mit Opfergaben vollzieht, oder in einer einsamen Gegend an einem geheiligten Baum, oder auch eine ganze Gruppe Balinesen bei Sonnenuntergang am Strand, unbeeindruckt von anwesenden Touristen. Vielleicht sind dies auch die Gründe dafür, dass man noch heute das intakte Bali findet.
Über Bedugul nach Lovina
Unsere nächste Station ist im Norden der Insel, am Lovina-Strand gelegen. Doch zunächst geht es während eines Tagesausfluges noch einmal ins Innere der Insel, wo wir auf Märkten die herrlichsten tropischen Früchte kaufen, wo wir einen malerischen Tempel besuchen und wo wir eine Wanderung durch einen geheimnisvollen Bergurwald unternehmen, den nur selten ein Fremder betritt. Mächtige Urwaldriesen stehen hier, Lianen winden sich hinab und exotische Vogelstimmen sind zu hören. Das Wasser des Tamlingan-Sees blinkt manchmal durch das dichte Grün. Ein kleiner Tempel ist auch hier zu finden.
In Lovina wartet noch eine besondere Naturattraktion auf uns. Wir fahren in aller Frühe mit schmalen Booten aufs Meer hinaus, wo wir bei Sonnenaufgang zahlreiche Delphine beobachten können. Außerdem können wir hier auch mit Schnorchel und Taucherbrille die bunte Unterwasserwelt zu bestaunen.
Ein weiterer Tagesausflug ins Innere der Insel bringt uns zum Vulkan Mt. Batur. Wenn man nach einigen Schweißtropfen den Kraterrand erreicht hat wird man mit unvergesslichen Ausblicken belohnt. Mitunter kann man sogar die Lavamassen unter der Erde geheimnisvoll und kraftvoll brodeln hören.
Insel der Götter und Dämonen wird Bali genannt, oder auch Paradiesinsel. Die üppige tropische Natur, die mächtigen Vulkane, die zahlreichen Rieten der freundlichen Menschen, die tropischen Früchte und die vielen Feste machen diesem Namen alle Ehre.
Bernd Bieder
"Ich glaube, dass viel Gutes entstehen könnte, wenn Touristen wieder Pilger würden. Die Erfahrung eines Ortes wird ärmer, wenn wir ihn mit Touristenaugen sehen, aber reicher, wenn wir als Pilger kommen. Wenn wir die Erde wieder heilig machen wollen, wäre die Rückkehr vom Tourismus zur Pilgerschaft sicher ein guter Anfang. (...)
Dass etwa die Insel Bali für Europäer von so unwiderstehlicher Anziehungskraft ist, liegt sicher auch daran, dass hier die Zeit durch die Feste wie verzaubert ist. Bali, eine der wenigen noch nicht durch 'Bildung' und 'Entwicklung' entzauberten Gegenden der Welt, erweckt in uns eine wehmütige Erinnerung an etwas Verlorenes und fast schon Vergessenes."
Rupert Sheldrake


